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Die Stunde Null
Die Geburtsstunde der verstaatlichen Industrie Österreichs,
der späteren ÖIAG ,schlägt am 26. Juli 1946 mit
dem ersten Verstaatlichungsgesetz: Als die sowjetischen Besatzungstruppen
in ihrem Einflussbereich damit beginnen, Unternehmen aus „Deutschem
Eigentum“ zu beschlagnahmen, beschließt der Nationalrat
die Verstaatlichung aller „deutschen“ Betriebe, um
sie dem Einfluss sowjetischen Truppen zu entziehen.
Als „Deutsches Eigentum“ gelten nicht nur von den
Nazionalsozialisten gegründete Industriebetriebe wie die Linzer
Hermann-Göring-Werke (die spätere VÖEST), sondern
auch alte österreichische Staatsbetriebe, die vom deutschen
Reich übernommen worden waren, wie die DDSG. Insgesamt macht
das „Deutsche Eigentum“ ein Fünftel der österreichischen
Wertschöpfung aus. Es umfasst die drei größten
Banken des Landes, den gesamten Kohle- und Metallbergbau, die gesamte
Mineralölförderung und –verarbeitung, alle wichtigen
Betriebe der Schwerindustrie.
Ihr eigentliches Ziel – die betroffenen Betriebe dem sowjetischen
Zugriff zu entziehen – erreicht die Verstaatlichung nicht,
da die Sowjetunion in ihrem Einflussbereich die Umsetzung des Verstaatlichungsgesetzes
verhindert. Diese Betriebe können erst nach dem Abzug der
Besatzer vom Staat übernommen werden. Aber in den Besatzungszonen
der drei West-Alliierten übernimmt die verstaatlichte Industrie
schnell eine wichtige Rolle im Wiederaufbau – nicht zuletzt
deshalb, weil die Staatsbetriebe nicht nur einen Großteil
der US-Wiederaufbauhilfe erhalten, sondern diese Vorteile auch
durch Kohle- und Stahlpreise unter dem Weltmarktpreis an die österreichische
Wirtschaft weiter geben.
Verwaltet wird die verstaatlichte Industrie direkt von der Regierung,
zunächst durch das Ministerium für Vermögenssicherung
und Wirtschaftsplanung, später durch das Verkehrsministerium
und das Bundeskanzleramt. Der Vorwurf des politischen Einflusses
an die verstaatlichte Industrie sowie der Vorwurf des politischen
Proporzes führen nach dem Ende der unmittelbaren Nachkriegszeit
immer wieder zu Krisen.
Reformen
Als Reaktion auf diese Krisen werden erste Reformen gesetzt: Die
Anteilsverwaltung für die meisten verstaatlichten Betriebe
wird 1967 in der neu gegründeten Österreichischen Industrieverwaltungs
GesmbH (ÖIG) zusammen gefasst, erste Restrukturierungen
in den Unternehmen führen zum Abbau von rund 20.000 Arbeitsplätzen.
Die ÖIG wird 1970 in eine Aktiengesellschaft (ÖIAG)
umgewandelt, in den folgenden Jahren werden die Beteiligungen umstrukturiert.
Als Reaktion auf Ertragseinbrüche in der Folge des Ölpreisschocks
und der internationalen Stahlkrise wird rund um die VÖEST
ein großer Mischkonzern aufgebaut, der andere, ins Trudeln
geratene Staatsbetriebe auffangen muss. Gleichzeitig muss sich
die verstaatlichte Industrie in der Rezession der späten 70er
Jahre als Instrument der Beschäftigungspolitik bewähren.
Das führt dazu, dass die ÖIAG-Betriebe ab Anfang der
80er Jahren steigende Verluste schreiben. Daher wird 1986 die ÖIAG
(jetzt Österreichische Industrieholding AG) neuerlich umstrukturiert:
Die in den 70er Jahren entstandenen unübersichtlichen Mischkonzerne
werden zerschlagen und zu neuen Branchenholdings zusammen gefasst,
die mit den Erlösen aus Privatisierungen saniert und dann über
die Börse privatisiert werden sollen.
Privatisierungsagentur
Insgesamt muss der Staat zwischen 1980 und 1992 60 Milliarden Schilling
(4,4 Milliarden Euro) zur Verlustabgeltung zuschießen,
gleichzeitig werden 55.000 Arbeitsplätze abgebaut. Also
werden 1993 die Branchenholdings wieder aufgelöst und die ÖIAG
in einer Neufassung des ÖIAG-Gesetzes verpflichtet, "die
ihr unmittelbar gehörenden Beteiligungen an industriellen
Unternehmungen in angemessener Frist mehrheitlich abzugeben;
wo dies wirtschaftlich zweckmäßig ist, können
auch einzelne Betriebe oder mittelbare Beteiligungen, insbesondere
solche, die nicht zum Kernbereich der Unternehmungen gehören,
getrennt abgegeben werden. Dabei ist darauf Bedacht zu nehmen,
daß österreichische Industriebetriebe und industrielle
Wertschöpfung, soweit wirtschaftlich vertretbar, erhalten
bleiben". Die ÖIAG beginnt ihren erfolgreichen Weg
als Privatisierungsagentur.

Der Privatisierungsweg der ÖIAG 1987 bis 2006
November 1987
Abgabe von 15% an der OMV (Österreichische Mineralöl
Verwaltung; Mineralöl-und Chemiekonzern), erster Börsengang
eines ÖIAG-Unternehmens.
September 1989
Abgabe weiterer 10% an der OMV über die Börse.
Juli 1992
Abgabe von 26% an der Simmering-Graz-Pauker-Verkehrstechnik (SGP-VT)
an die Siemens AG Österreich.
Dezember 1992
Abgabe von 49% an der VAE (Eisenbahnsysteme alte und junge
Aktien).
Juli 1993
Mehrheitliche Privatisierung der Austria Mikro Systeme International
(AMS) durch Abgabe von 74% über die Börse.
November 1993
Abgabe von weiteren 25% an der VAE (alte und junge Aktien),
mehrheitliche Privatisierung über die Börse.
November 1993
100%iger Verkauf der A.S.A. an eine französische Unternehmung.
Dezember 1993
Abgabe von weiteren 48% an der SGP-VT an die Siemens AG Österreich.
Mai 1994
Mehrheitliche Privatisierung der VA Technologie AG durch Abgabe
von 51% über die Börse; größte Kapitalmarkttransaktion
in Österreich bisher.
Mai 1994
Reduktion der OMV-Anteile auf 53% durch Veräußerung
von 20% an IPIC. Bis Jahresende Weiterführung der mehrheitlichen
Privatisierung der OMV durch Rückzug auf 50% minus eine Aktie.
Juli 1994
Abgabe der restlichen 26% an AMS durch Private placement.
November 1994
100%iger Verkauf der AT & S (Austria Technologie & Systemtechnik)
an eine Bietergruppe, der auch das bisherige Management angehörte.
November 1994
Abgabe der restlichen 26% an VAE über die Börse.
März 1995
Abgabe von 27,3% an der Böhler-Uddeholm AG über die Börse.
März 1995
Verkauf der Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment AG an ein österreichisches
Privatunternehmen.
März 1995
Verkauf der Schoeller-Bleckmann Edelstahlrohr GesmbH. an das Management
(MBO).
Mai 1995
Verkauf der Bernhard Steinel Werkzeugmaschinen GmbH., Villingen
(Deutschland).
Oktober 1995
Abgabe von 31,7% an der VA Stahl AG über die Börse.
Dezember 1995
Verkauf der Weiler Werkzeugmaschinen GmbH. & Co.KG an das Management.
Februar 1996
Abgabe von 4,6% an der VA Stahl AG an einen institutionellen Investor.
März 1996
Mehrheitliche Privatisierung der Böhler-Uddeholm AG durch
Abgabe von 47,7% im Zuge eines Secondary Offerings über die
Börse.
Mai 1996 Abgabe von 14,9% der OMV AG im Zuge eines Secondary Offerings über die Börse, wodurch sich der Anteil der ÖIAG an der OMV auf 35% reduziert.
Juni 1996
Verkauf von 100% der GIWOG-Wohnbaugruppe (inkl.Tochtergesellschaften
SAG und GEMYSAG) an 5 österreichische gemeinnützige
Wohnbaugesellschaften.
Juli 1996
Verkauf von 77% der VAMED an den deutschen Medizintechnikkonzern
Fresenius und 10% an die Bank Austria.
November 1996
Verkauf von 100% der VA Bergtechnik an die finnischen Unternehmen
Tampella Corp. und Tamrock Oy.
November 1996
Verkauf von 100% der AMAG an die Bietergruppe Hammerer (Management)/
-Constantia (österreichische Industriegruppe).
Mai 1997
Verkauf von 100% der Salinen AG an die Bietergruppe Androsch/RLB
OÖ/Thomanek.
Juni 1997
Abgabe von 25 % und einer Aktie der Mobilkom AG (Bereich Mobilfunk
der PTA) an den strategische Partner STET International, einer
Konzerngesellschaft der Telecom Italia durch die PTBG(Post & Telegraphen
Beteiligungsgesellschaft).
Juni 1997 bis Jänner 1998
Abgabe von insgesamt 4.354.000 Aktien der Bank Austria über
die Wiener Börse durch die PTBG.
November 1997
Abgabe von 49,5% an der Austria Tabak über die Börse.
Februar 1998
Abgabe von insgesamt 6.269.050 Aktien der Bank Austria durch die
PTBG.
Oktober 1998
Abgabe von 25 % und einer Aktie der Telekom Austria AG an den strategischen
Partner STET International, eine Konzerngesellschaft der Telecom
Italia durch die PTBG.
März 1999
Abgabe von 9,4% an der Austria Tabak durch Direktplazierung an
institutionelle Investoren (Blocktrade).
Mai 1999 Durch eine Kapitalerhöhung der AUA reduzierte sich der ÖIAG-Anteil auf 39,72% durch Nichtausnutzung der Bezugsrechte.

ÖIAG-Gesetz 2000
Gemäß ÖIAG-Gesetz 2000 und Privatisierungsauftrag
der Bundesregierung hat die ÖIAG vorrangig nachstehende Unternehmen
oder Anteile an Unternehmen zu 100 % neuen Eigentümern, strategischen
Partnern oder dem Publikum zuzuführen:
Österreichische Staatsdruckerei
GmbH
Dorotheum GmbH
Print Media Austria AG
Flughafen Wien AG
Österreichische Postsparkasse AG
Telekom Austria AG
Austria Tabak AG
Die ÖIAG hat in Erfüllung dieses Privatisierungauftrages im Interesse der Bevölkerung den bestmöglichen Erlös unter Berücksichtigung der Interessen der Unternehmen und der Wahrung österreichischer Interessen zu erzielen. In einer zweiten Phase sind weitere Privatisierungen zu prüfen.
November 2000
Verkauf von 100 % der PSK an die Bank für Arbeit und Wirtschaft
AG.
November 2000
Abgabe von 22,4 % an der Telekom Austria AG über die Börse
und Abgabe von 4,8 % aufgrund vertraglicher Vereinbarungen an die
STET International (Telekom Italia).
November 2000
Verkauf von 2,62 % der Flughafen Wien AG (insgesamt 5,24 %) an
die Stadt Wien und an das Land Niederösterreich und Abgabe
von 3,22 % im Zuge eines Aktienrückkaufs der Flughafen Wien
AG.
November 2000
Abgabe der Österreichischen Staatsdruckerei GmbH an einen österreichischen
Investor.
März 2001
Abgabe von 8,92 % an der Flughafen Wien AG an inländische
und ausländische institutionelle Investoren.
Mai 2001
Abgabe von 1% des Grundkapitals der VA Stahl AG im Zuge eines Aktienrückkaufprogramms
an die VA Stahl AG.
August 2001
Abgabe der restlichen 41,1% der Austria Tabak AG an die Gallaher
Group.
September 2001
100%iger Verkauf des Dorotheums an die Bietergruppe OneTwo
Beteiligungs- und Managementberatungs GmbH.
März 2002
100%iger Verkauf der Strohal Rotations Druck GmbH an die Invest
Equity Group.
Mai 2002 Durch die Kapitalerhöhung der voestalpine AG, bei welcher die ÖIAG nur zu 50 % teilgenommen hat, reduzierte sich der Anteil der ÖIAG von 37,8 % auf 34,7 %.
Juni 2002 Durch Zuteilung der Bonusaktien im Zuge des Investitionsprogramms anlässlich des IPO im November 2000 reduziert sich der Anteil der ÖIAG an der Telekom Austria AG von 47,8 auf nunmehr 47,2 %.
August 2003
Abgabe von 9% Aktien der VA Technologie über die Börse.
August 2003
Verkauf von 100% der Postbus AG an die ÖBB (vorbehaltlich
der Zustimmung der Kartellbehörde).
August 2003
Emission einer Umtauschanleihe auf Aktien der Telekom Austria AG im Ausmaß von 5% des Grundkapitals der Gesellschaft an institutionelle Investoren.
September 2003
Emission einer Umtauschanleihe auf Aktien der voestalpine AG im Ausmaß von 15% des Grundkapitals der Gesellschaft an institutionelle Investoren.
September 2003
Die POSTBUS AG, eine hundertprozentige Tochter der ÖIAG seit
1.1. 2000, wurde mit September 2003 an die ÖBB verkauft. Mit
dieser Transaktion wurden die beiden größten öffentlichen
Busflotten des Landes in einer Gesellschaft für den Nahverkehr
auf der Straße zusammengefasst.
September 2003
Abgabe von 19,7% der voestalpine AG im Zuge eines SPO (Secondary
Public Offering) über die Börse.
November 2003
Abgabe von 25% an der Böhler Uddeholm AG im Zuge eines Secondary
Public Offerings über die Börse.
August 2004
ÖIAG Bergbauholding AG (ÖBAG): Abgabe des 26%-Anteils an BMG Metall und Recycling GmbH an Mehrheitsgesellschafter Ecobat
September 2004
Am 7. September 2004 wurde der Privatisierungsauftrag der Bundesregierung vom 1. April 2003 hinsichtlich der VA Technologie AG konkretisiert.
Oktober 2004
Verschmelzung der ÖIAG-Bergbauholding in die GKB-Bergbau GmbH.
Dezember 2004
Abgabe von 17% an der Telekom Austria AG im Zuge eines Accelerated Bookbuilt Offerings über die Börse.
Dezember 2004
Privatisierung der VOEST-ALPINE Erzberg GmbH durch Verkauf bzw. Einbringung der ÖIAG-Anteile an die Erzberg Privatstiftung.
Juli 2005
Vollständige Privatisierung der VA Tech durch Abgabe des 14,7 Prozent-Anteils im Rahmen des öffentlichen Übernahmeangebots von Siemens Österreich.
August 2005
Vollprivatisierung der voestalpine AG mit Ende August abgeschlossen; Umtauschanleihe vollständig gewandelt.
Mai 2006
Abgabe von 49% der Österreichischen Post AG über die Börse.
Juni/September 2006
Wandlung bzw. Verkauf der der ÖIAG-Umtauschanleihe (Begebung 2003) unterlegten Telekom-Aktien abgeschlossen. ÖIAG-Anteil an Telekom Austria sinkt auf 25,2%.
September 2009
Vollständige Privatisierung der Austrian Airlines AG. Per 3. September 2009 hält die Lufthansa über 90% der Aktien der Austrian Ailrines AG.
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